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Aufrufe: 61
Veröffentlicht: 01.12.2012

Erklärung
Kommentare

Autor
Nanami Stone


Gefährte
Gyldun
Gyldun@gmx.de...


Lea

Es umgibt ein Schein
die Gestalt auf dem Stein.
Sie sitzt still im Wind,
ist klein, wie ein Kind.
Die Augen sind kalt,
starren in den Wald,
der den Vater umrang
und die Mutter verschlang.
Im Innern, ganz tief,
wo die Liebe verlief
entwickelt sich Rache,
denn Schuld war der Drache.
Er lockte sie fort
an einen düsteren Ort.
die Knochen verweisen
auf Drachenspeisen.
Der Drache, er lacht.
Es wird Abend, dann Nacht.
Die Gestalt umfaßt fest
den Stab für den Test
den Drachen zu suchen
und zu verfluchen.
Sie springt auf,
läuft hinauf
zu des Berges Höhen,
um das Feuer zu sehen,
das den Drachen verrät,
wenn er Beute erspäht.
Doch es gibt nichts Heißes,
nur etwas Weißes.
Nur einen weinenden Mond,
der über den Ländern thront.
Schwarz ist das Land,
durch den Drachen verbrannt,
erlischt alles Leben.
Er wird sich erheben
zu neuen Orten
mit fremden Worten,
um Unheil zu bringen,
mit Jägern zu ringen
und zu gewinnen,
nichts kann entrinnen.
"Der Drach' ist geflohen,
doch Tod soll ihm drohen,
wenn ich ihn gefunden !",
ruft die Gestalt zu dem runden,
weißen Mond hinauf.
Der sagt: "So lauf.
Er ist dir weit voraus."

So wandert sie lang
geführt von dem Drang
das Land von dem bösen
Tier zu erlösen,
in Frieden zu leben
und Freiheit zu geben,
denen, die unter der Drachenmacht
ihr ganzes Leben zugebracht.
Doch wohin sie auch sieht
das Leben entzieht
sich ihrem Blick,
der Drache läßt nichts als Öde zurück.
Sie läuft seit Tagen
ohne zu zagen
über Wasser und Stein,
hört den Drachen schreien,
doch kann ihn nicht finden.
Ihr Mut ist am Schwinden.
Da vernimmt sie ein Wimmern
und sieht etwas Schimmern
dort hinten im Wald.
Es scheint weiß und kalt.
"Lea, du Königin der Nacht,
lauf zu ihm hin, benutze deine Macht.
Er wird ein Freund dir werden dann
und wird dir helfen so gut er kann."
So ruft der Mond vom Himmel herab.
"Doch du mußt eilen, die Zeit wird knapp.
Es gibt in einem Dorf noch Leben.
Ich würde dir gerne mehr Zeit noch geben,
doch das liegt nicht in meiner Hand."

Sie muß nicht weit gehen,
um den Drachen zu sehen,
der, verletzt durch ein Schwert,
den Rücken ihr kehrt.
"Bist du der Drache, die teuflische Macht,
die alles tötet und dabei noch lacht?",
fragt Lea laut.
"Ich bin die Macht, die Menschen vertraut.",
schallt es zurück mit tiefem Ton.
"Doch wer schenkt mir den Glauben schon?
Sieh, das Schwert in meinem Bein
ist Zeichen einer Freundschaft Schein.
So stich ein zweites Mal noch zu,
damit mein Leben kommt zur Ruh."
"Ich würde diese Tat nicht scheuen,
doch tät' ich sie gewiß bereuen.
Ich kann nicht lange hier verweilen,
doch werd' ich dir die Wunde heilen."
Sie läuft zu einer nahen Linde
und nimmt etwas von deren Rinde.
Dann pflückt sie noch ein wenig Gras
und legt dies auf das rote Naß.
Der schmerzverzehrte Blick des Drachen
weicht sogleich erleichtertem Lachen.
"Fort ist der Schmerz
und auch mein Herz
von allen Qualen rein,
ich will dir ewig dankbar sein.
Doch sag' mir nur, wer ist die Macht,
die mir das Lachen wiederbracht'?"
"Dir bin ich Freund, doch jenem nicht,
der grob das Herz der Welt zerbricht.
Dem nicht, der erhoben schreitet
und überall nur Angst verbreitet."
"Du sprichst von meinem Bruder schlecht,
doch muß ich sagen, dies zu Recht."
"Wie kann das scheußlich böse Tier
dein Bruder sein, das sage mir!"
"Die Macht, die einst uns Drachen befahl,
schuf Gut und Bös zu gleicher Zahl.
So steige auf, ich bin bereit
dich weg zu tragen weit."
"Nein trage mich nicht von ihm fort.
Bringe mich zu jenem Ort,
an dem das Drachenscheusal haust.
Auch wenn mir's vor dem Kampfe graust,
will ich mich seinen Kräften stellen.

Und als sie dann aus luft'gen Höhen
die ersten Bauernhäuser sehen,
da wissen beide, das die Zeit
des großen Kampfes nicht mehr weit.
"He Drache, fliege mich zu dem See,
den ich am Horizont erspäh'!"
Kaum ist das Land am See erreicht,
als schon die Nacht dem Tage weicht.
Sie blicken in das Sonnenlicht
und Lea spricht:
"Hab' vielen Dank für deine Mühen,
du kannst jetzt deiner Wege ziehen."
"Nein! Höre mir zu." unterbricht sie der Drache,
"Dieser Kampf ist auch meine Sache.
Denn wird man meinen Bruder töten,
so wird auch meine Haut erröten.
Wir sind verbunden durch ein Band
und müssen sterben Hand in Hand.
So stich jetzt zu, direkt ins Herz,
dann stirbt der andere vor Schmerz."
"Das hieße einen Freund zu töten.
Ich denke dies ist nicht von Nöten.
Und außerdem muß ich mich an dem ander'n rächen,
ich will und kann den Schwur nicht brechen,
den ich bei meinem Leben tat.

So suchen beide Stund' um Stunden,
bis sie das große Loch gefunden,
in dem der böse Drache träumt,
dass jeder die Umgebung räumt
und vor ihm auf die Knie fällt,
vor ihm, dem König dieser Welt.
Leise betreten sie das Loch.
Das Böse sieht nicht die Gefahr, doch
kann er seine Feinde riechen,
kann hören, wie sie näher kriechen.
Und plötzlich springt das Untier auf,
will aus dem Loch zum Himmel rauf.
Doch Leas guter Drache hält
die Klaue hoch, das Scheusal fällt
verletzt zur Erden
und kann jetzt leicht vernichtet werden
"Du darfst nicht nah' an ihn heran,
da er noch immer töten kann.
Ich habe ihn zu Fall gebracht,
benutze du nun deine Macht
für einen neuen Weltbeginn.
Lea läuft schnell zum Drachen hin
und wendet an die Zauberkunst.
Die Luft verwandelt sich in Dunst,
der ganze Boden zu beben beginnt
und Blut aus des Drachen Augen rinnt.
Und als der Nebel dann verweht
ein Drach' aus Stein vor ihnen steht.
"Das Böse starb, jedoch
das Gute ist am Leben noch.
Laß allen uns den Sieg verkünden!"